
Am 20. Dezember 1955 unterzeichneten die Bundesrepublik Deutschland und Italien das Abkommen „Zur Anwerbung und Vermittlung von Arbeitskräften“. Diesem folgten Verträge mit Spanien und Griechenland (1960), der Türkei (1961), Portugal (1964), Tunesien und Marokko (1965) sowie Jugoslawien (1968). Die Bezeichnung der Ausländer als „Gast-Arbeiter“, schien Programm zu sein: In ein bis zwei Jahren wollten sie genug Geld gespart haben, um ihre Träume und Wünsche zu erfüllen. Aus zwei, drei Jahren wurden nicht selten 20, 30 oder 40 Jahre. Es begann ein Integrationsprozess, der sich über Generationen hinzog und teilweise bis heute nicht abgeschlossen ist. Dieser Prozess begann in einfachen Gemeinschaftsunterkünften, meist firmeneigenen Baracken. In der BRD der 1950/60er Jahre dachten weder die Deutschen noch die Ausländer selbst daran, dass die angeworbenen Arbeitskräfte dauerhaft bleiben würden. Aber es kam anders. Die „Gastarbeiter“ blieben, holten ihre Familien nach oder gründeten sie neu. Das fremde Deutschland wurde ihre neue Heimat und – ohne es zu wollen - ein Einwanderungsland.
Die Geschichte der „Gastarbeit“, ist bisher weder genügend dokumentiert noch ausreichend erforscht. Umso wichtiger ist es, das die „Gastarbeiter“ von früher und ihre Kinder es uns mit ihren Leihgaben, Erinnerungsstücken und persönlichen Gegenständen ermöglicht haben, eine Geschichte sichtbar zu machen, die bisher im historischen Gedächtnis der Öffentlichkeit nur wenig berücksichtigt wurde. Dabei wurden auch besondere Aspekte, wie das karg gestaltete Privatleben in den Wohnbaracken oder ihr Weg in die Bürgerlichkeit beleuchtet. Somit zeigt die in neun Stationen aufgeteilte Ausstellung „Zwischen Kommen und Gehen – und doch Bleiben“ nicht nur die allgemeine Geschichte der Anwerbung von 1955 bis 1973, sondern bemüht sich auch die persönliche Geschichte der „Gastarbeiter“ darzustellen.
Die Ausstellung „Zwischen Kommen und Gehen – und doch Bleiben“ ist in einer engen Zusammenarbeit zwischen dem Theaterhaus, dem Stadtarchiv Stuttgart, dem SWR-International und der Stabstelle des Oberbürgermeisters, Abteilung Integrationspolitik entstanden
Konzeption und Organisation: Arnd Kolb M.A.
Wissenschaftliche Assistentin: Claudia Fuß
Grafik: Formteam, Schorndorf
Gestaltung: Heidi Davila-Garcia
Besonderer Dank gilt: Fethiyue Cakil, Mario Coelho, Alvaro Costa, Berardino Di Croce, Giacomino Da Re, Siegfried Dittler, Josef Girscheck, Evangelos Gorgos, Peter Grohmann, Carmen Hart, Gertraut Haug, Hilde Hoschek, Relja Lukic, Tony Mazzaro, Peter Milert, Monsignore Mutti, Ivan Ott, Smiljka Pavlovic, Christos Prassas, Antonio Scaramella, Elisa-Beatrice Soi, Renate Seibold-Völker, Reiner Schimpf, Salvatore Voi, Die Unmündigen
In der Ausstellung wurden Teile der Ausstellung „Heimat in der Fremde, Fremde in der Heimat.“ (Dragica Horvat, Ausländerbeauftragte der Stadt Göppingen), sowie einige Exponate aus dem Besitz der Museen der Stadt Kornwestheim (Dr. Irmgard Sedler) und der Fachhochschule der Bundesagentur für Arbeit (Dieter Maier) übernommen. Wir bedanken uns für die Unterstützung. |